Die Stochastik ist eine mathematische Theorie. Wird sie als Modell für
Sachverhalte außerhalb der Mathematik benutzt, so muss sie sich in
Zufallsexperimenten bewähren. Die Beziehung zwischen dem mathematischen
Modell und den Anwendungen ist hier ähnlich wie bei den mathematischen
Modellen zur Physik.
Sucht man nun nach Experimenten zur Überprüfung des mathematischen
Modells ´Stochastik`, so kann man sich auf allgemeine Lebenserfahrung
stützen, die etwa so formuliert werden kann:
Manche Experimente sehen wir als Zufallsexperimente an. Das Werfen von
Würfeln oder das Ziehen mit Rücklegen aus einer Urne gehören
dazu. Bei den hier angegebenen Zufallsexperimenten stellt man fest, dass sich
die relative Häufigkeit für das Würfeln einer bestimmten
Augenzahl oder das Ziehen einer bestimmten Kugel mit wachsender Versuchszahl
bei festen Werten stabilisiert. Z.B. stabilisiert sich die relative
Häufigkeit für "Sechsen" bei 1/6. In der Sprache des mathematischen
Modells ´Stochastik` formuliert man das so:
Ist die Zufallsvariable X bernoulliverteilt, so stabilisieren sich die
Realisierungen x/n der Zufallsvariablen X/n für große n bei der
Grundwahrscheinlichkeit p. Überprüfen kann man das aber nicht, da
diese Grundwahrscheinlichkeit p i.a. (oder immer ?) nicht mit mathematischer
Sicherheit bekannt ist.
Man kann eigentlich nur sagen, dass sich die
relative Häufigkeit erfahrungsgemäß stabilisiert und dass dieser
Stabilisierungswert bei Bernoulliversuchen die Grundwahrscheinlichkeit p sein
könnte.
1. Ansatz
zur Präzisierung der Aussage, dass sich die relative Häufigkeit mit wachsendem
Stichprobenumfang n bei p stabilisiert. Die Formulierung erinnert an die bekannte
Grenzwertdefinition für Folgen. Also überprüft man, ob die relative
Häufigkeit als Grenzwert p hat. Es muss geprüft werden, ob gilt
Für jedes vorgegebene ε
> 0 gibt es ein n 0 , so dass für alle n > n0
gilt I x/n - p I < ε .
Mit Quantoren wird das kompakter:

Von einem bestimmten Stichprobenumfang n 0 an müssten dann
alle relativen Häufigkeiten x/n von p einen kleineren Abstand als
ε haben. Das widerspricht aber der Annahme, dass es sich
um zufällige Ereignisse handelt. An einem Beispiel, das leicht für den allgemeinen
Fall umformuliert werden kann, soll das gezeigt werden.
Untersucht wird die relative Häufigkeit für das Werfen einer
"Sechs" mit dem Würfel. Sei ε = 0,01 Bei n
0 = 12000 soll x0/n0 überhaupt nicht von p=1/6
abweichen. Also ist x0 = 2000 (2000/12000=1/6). Nun wird gezeigt, dass trotz
dieser minimalen Abweichung der relativen Häufigkeit x0/n0
von p dennoch erreicht werden kann, dass bei einer größeren Stichprobe der
vorgegebene Fehler ε =0,01 überschritten wird. Dazu
wird angenommen, dass bei den nächsten 12000 Versuchen stets
"Sechsen" gewürfelt werden, (die Wahrscheinlichkeit dafür ist (1/6)
12000 , also sicher größer als Null). Dann gilt
aber
Durch Annahme solcher speziellen Ergebnisfolgen kann man stets zeigen, dass mit
einer Wahrscheinlichkeit >0 der vorgegebene Abstand von ε überschritten
werden kann. Damit gilt nicht sicher, dass alle relativen
Häufigkeiten in der vorgegebenen Umgebung von p liegen, also hat
x/n nicht den Grenzwert p. |